Foto: Unser Projekt ist ESF-gefördert

Pfarrhof Groß Breesen (Guben)

Pension, Hofladen, Café

 

Drei Begriffe - Teilhabe, Regionalität und Inklusion - prägen unsere Vorschläge für den Pfarrhof Groß Breesen in der südbrandenburgischen Stadt Guben.

Zum einen gibt „Kirche gibt Raum“ auf ihrem Grundstück und in ihren Gebäuden. Dort betreiben Menschen mit und ohne Behinderung für Kunden und Nachbarn mit und ohne Handicap einen Ort der Teilhabe, der sie durch Freizeit und Kultur, Wohnen und Arbeiten zusammenbringt.

Zum anderen mischen sich Bürger*innen in die Stadtpolitik ein, bauen das Netzwerk ihrer Nachbarschaft aus und leisten Quartierarbeit und machen die Region - deren Produkte wie Landschaft - für sich selbst und für Reisende attraktiv.

Gemeinde an zehn Standorten

Die evangelische Kirchengemeinde der Region Guben liegt an der deutsch-polnischen Grenze im Landkreis Spree-Neiße und im Kirchenkreis Cottbus. Sie entstand 2001, als sich zehn benachbarte Kirchengemeinden zu einer Körperschaft zusammenschlossen. Seither konzentriert sich das Gemeindeleben auf die Klosterkirche in der Altstadt von Guben.

Kirche und Pfarrhof in Groß Breesen (Guben) werden dagegen nur noch selten genutzt. Im Oktober 2018 hat der Gemeindekirchenrat den Senior Consulting Service Diakonie beauftragt, eine Empfehlung zu erarbeiten.

Daraus entstand ein Entwicklungsprojekt, das vom Land Brandenburg gemeinsam mit der Europäischen Union gefördert wurde.

Kirche Groß Breesen (SCSD)

Kirche, Friedhof und Pfarrhaus

Das Grundstück in Groß Breesen ist auf 13.990 qm mit einer Kirche inmitten eines Friedhofs bebaut, daneben ein Pfarrhaus vor einem Hof aus zwei Nebengebäuden und einem Obstgarten.  

Pfarrhaus Hof

Das Ensemble soll erhalten bleiben. Es prägt den Gubener Ortsteil historisch, architektonisch und kommunal.

Deswegen möchte die Kirchengemeinde einen diakonisch-sozialen Partner gewinnen, der einen Ort der „Teilhabe für alle“ aufbaut und – sich selbst tragend – bewirtschaftet, darin eingebunden ein kirchliches wie kommunales Gemeindezentrum.

Schneune Breesen

SCSD-Entwicklungsprojekt

43 Gespräche führten drei Consultants des SCS-Diakonie von Februar bis Juli 2019, vornehmlich in der Doppelstadt Guben-Gubin und im Landkreis. Dabei lernten sie die Region kennen, erfragten den Bedarf an sozialen Diensten und suchten nach Kooperationspartnern für die Kirchengemeinde.

Unterstützt wurden sie von einer Analystin für Nahversorgung, einem Berater für Tourismus und einem Bauingenieur. Eine lokale Steuerungsgruppe (Kirchengemeinde, Kirchenkreis, Diakonie, Guben, Gubin, Landkreis) begleitete das Projekt.

Als Ergebnis empfahl das Team in Konzept und Sachbericht, einen gemeinnützigen Inklusionsbetrieb (§ 215 SGB IX) zu gründen, der in drei Geschäftsfeldern bis zu 27 Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderungen schafft.

Steuerungsgruppe Groß Breesen (SCSD)

Gemeinnützige Genossenschaft für Inklusion

Eine Hotelpension (garni) mit 30 Zimmern bietet Gästen mit Handicap und deren Angehörigen einen Urlaub in der Doppelstadt Guben-Gubin sowie in der deutschen und polnischen Niederlausitz. Zugleich richtet sie Tagungen und Seminare aus. Kooperiert dafür mit örtlichen, sozialen Dienstleistern. Es ist das gemeinsame Ziel einen neuen Kundenkreis zu erschließen.

Ein Hofladen vermarktet als Spezialitätengeschäft Produkte aus der Region und wendet sich an einheimische Konsumenten aus dem gesamten Raum Guben.

Das Café verbindet Pension und Ladengeschäft mit einem Gemeindezentrum. Dort finden Freizeitangebote, Bürgerinitiativen und soziale Dienste ebenso Raum wie in der Kirche Gottesdienste, Konzerte und Diskussionen für ein größeres Publikum.

Träger des Sozialunternehmens könnte eine gemeinnützige Genossenschaft werden, die Bürger*innen und Vereine, Unternehmen und Institutionen des Landkreises zu engagierten und fachkundigen Partnern der Kirchengemeinde macht.

Sanierung und Neubau

Vier Bauvorhaben mit einem Volumen von rund 7,3 Millionen Euro sind aufeinander abgestimmt zu planen, aber getrennt weiterzuverfolgen.

Die Sanierung der Dorfkirche lässt einen zweckmäßig gestalteten Saal für Gottesdienste, Totenfeiern, kulturelle und kommunale Veranstaltungen im Vier-Jahreszeiten-Betrieb entstehen. Im Pfarrhaus werden Wohnungen hergerichtet, wahlweise für Feriengäste oder Dauermieter*innen.

Der Inklusionsbetrieb erhält im Pfarrhof ebenerdige Neubauten, orientiert an den Baustandards für Menschen mit Sinnesbehinderungen. Diesen Ansatz nehmen auch die Außenanlagen auf, wo ein Garten der Sinne (u.a. Kräuterbeete) neben Kinderspielplatz und Terrassen angelegt wird. Garten und Kirchhof gehen ineinander über.

Guben City (SCSD)

Kirche gibt Raum

Die Projektentwicklung für den evangelischen Pfarrhof Groß Breesen war ein Modell des Konzeptes „Kirche gibt Raum“, die der SCS-Diakonie in den Bundesländern Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt begleitet oder noch vorbereitet.

Sie wurde vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie aus Mitteln des Landes Brandenburg und des Europäischen Sozialfonds als soziale Innovation finanziert, die sich der Herausforderung stellt, verfestigte Arbeitslosigkeit zu beseitigen, und ihre Priorität auf aktive Inklusion legt (Förderperiode 2014-20120).

ESF investiert in Menschen

Der Europäische Sozialfonds ist Europas wichtigstes Instrument zur Förderung der Beschäftigung. Er investiert in Menschen, hilft beim Zugang zu besseren Arbeitsplätzen,  bei beruflicher Bildung und Qualifizierung, begleitet Unternehmen bei der Fachkräftesicherung. Der ESF schafft Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt und leistet so einen Beitrag zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts sowie zur Armutsbekämpfung.

Guben Gubin